Relativ zentral gelegen in Venezuela befinden sich die Llanos von Venezuela. In diesem Gebiet wird traditionell das Rind und Weidevieh von urspruenglichen Cowboys gehalten. Nachdem ich meine Sprachschule in Merida beendet hatte, wechselte ich meinen Standort, und fuhr mit einer bunten Gruppe aus Kanadiern, Englaendern und Deutschen in 10h von Merida mitten in die weiten Landschaften der Llanos.Der Oktober gehoert traditionell zu der Regensaison. Aus diesem Grund sind die Llanos zu dieser Zeit gekennzeichnet durch ueberschwemmte Suempfe, die entweder durch wenige Strassen oder zu Boot erkundet werden koennen. In diesen Landschaften leben Tiere wie Caimane, Anacondas, Capybaras (uebergrosse Meerschweine), ne Menge Weidevieh, eine unglaubliche Anzahl verschiedenster Vogelarten und und und …
Unser Safarileiter war ein durchgeknallter Spanier, der an einem Abend meinte, er ist bereits mehr Meilen betrunken als nuechtern gefahren. Naja, seinen alten Bus aus den 70ern mit Heckantrieb hat er auf jeden Fall super durch den 40cm tiefen Schlamm befoerdert. Unseren Respekt hatte er sich damit auf jeden Fall verdient.
Eine weitere Eigenschaft, die die Llanos auszeichnet sind die unglaubliche Anzahl an Maskitos. Speziell nachts fressen einen die Biester auf. Bei schwachen Seelen wie der meinen, die dem Juckreiz nicht wiederstehen koennen, fuehren die 50-60 Stiche dann dazu, dass man sie aufkrazt und die Beine und Fuesse komplett mit Wunden ueberzogen sind. Mein Insektenschutzmittel war leider deutscher Standard und konnte nur mit gutem Geruch dienen, mehr leider nicht.
Ein Fakt, den ich schon erwaehnt hatte uber Venezuela, sprich, man zerbricht sich hier nicht ganz so arg den Kopf darueber, welche Unterweisungen man den Touristen vor z. B. dem Besteigen eines Berges oder eines Paraglidingflugs gibt, traff auch hier wieder zu. Am zweiten Tag ritten wir zu Pferd durch die herrlich heisse Sumpflandschaft. Aber von Reitstunden oder aehnlichem keine Spur. Lediglich die Frage: Wer sass noch nie auf einem Pferd? wurde gestellt. Nach einem lauten Ja, wurde mir in drei Minuten erklaert, wie die Bremse, das Gaspedal und das Lenkrad beim Pferd funktionieren und schon befand ich mich bei geschaetzten 40 Grad auf dem Weg durch diese herrliche Landschaft. Zunaechst hatte ich mir Reiten als relativ langweilige Angelegenheit vorgestellt, aber als wir nach einer Stunde gefragt wurden, wer im Galopp auf eigenes Risiko ueber die Wiesen reiten moechte und wir einige Sekunden spaeter mit geschaetzten 40-50 Sachen, allein ausgestattet mit Pferd und nicht allzu viel gesundem Menschenverstand, durch die Llanos ritten, wurde mir relativ schnell klar, dass Reiten ne feine Sache ist (wenn man nicht vorher 20 Reitstunden in Deutschland nehmen muss, bevor man dem Pferd die Spuren geben darf)!
Das Gefuehl sich durch die Landschaften der Llanos zu bewegen, laesst sich relativ schwer beschreiben. Auf einem Gebiet so gross wie Hessen, findet man nichts weiter ausser wilden Tieren, ne Menge Grasslandschaften, Seen, eins, zwei Strassen und ner Menge Einsamkeit. Es gibt dort kaum Leute und so ist diese Gegend die perfekte Abwechslung zum Laerm, der einem in so ziemlich jeder Stadt in Venezuela begegnet. Uns sind konstant seltene Voegel, Caimane und andere Lebewesen begegnet. Einzig und allein die Anaconda konnten wir in den vier Tagen nicht finden. In der Regensaison bietet sich einfach zu viel Rueckzugsgebiet fuer diese Wuergeschlangen. Dennoch konnte unser Safariguide mit einigen Anacondaanekdoten aus den letzten Jahren aufwarten. Die erste relativ grausame Geschichte ereignete sich vor rund 10 Jahren. Nach relativ heftigen Regenfaellen wurde das Haus von einem Farmer ueberflutet. Er schickte die komplette Familie in ein nahegelegenes Dorf, blieb aber selber in der Huette um nach dem rechten zu sehen. Ueber Nacht spannte er seine Haengematte in der Huette ein paar Zentimeter uebers Wasser. In der Nacht kamm dann Wohl die Anaconda, umschlang in, und frass ihn lebendig. Uuuuh.
Eine andere Geschichte, handelte von einem Wildjaeger, der ein Reh schoss, es auf seiner Schulter durch den Sumpf nach Haus schleppen wollte und dann in den Suempfen von der Anaconda, wohl vom Blut des Rehs angelockt, ebenfalls lebendig gefressen wurde. Tja, also nicht allzu tragisch, dass wir nicht jedes Tier zu Gesicht bekommen haben.
Am dritten Tag, nach unserem aussergewoehnlichen Ausritt ging es direkt zum Piranhja-Angeln. An einer Flussmuendung ausgestattet nur mit einer Angelschnurr und ein bisl Huhn versuchten wir die kleinen Bieser aus dem Fluss zu ziehen. Also rein mit der Schnur ins Wasser und gewartet bis man fuehlt, dass etwas am Ex-Huhn knappert. Sobald man dies merkt, zieht man an der Schnur und hofft, das sich der Haken am Ende der Leine im Fisch verfaengt. Normales angeln halt, fuer mich jedoch das erste mal ueberhaupt. Nach ein paar Versuchen hat ich dann auch ein Prachtexemplar an der Angel (siehe Fotos). Auf jeden Fall ein merkwuerdiges Gefuehl, dass diese Bieser irgendwo dort im Fluss lauern und einen fressen keonnten, falls sie schlecht gelaunt sind. Am Abend konnten wir dann die Piranhjas frisch frittiert geniessen. Wer die Gelegenheit hat, diese mal zu probieren, sollte auf jeden Fall kosten. Gar nicht soo schlecht die Dinger!
Schlagworte: Anaconda, Caiman, Capybara, Los Llanos, Piranhja